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Kreativer Umgang mit Beton
Offene Haltung – offene Gestaltung
 
Menschliche Offenheit ist eine Wesenseigenschaft, die Empfänglichkeit und Bereitschaft für Neues, -vielleicht Ungewohntes, Unkonventionelles oder aus der Mode Geratenes zulässt. Offenheit gründet auf dem Vertrauen, dass auch Wege, die kaum von der Allgemeinheit erkannt oder begangen werden, die wenig ausgetreten oder vergessen gegangen sind, ans Ziel führen können. Ohne Angst, ohne Vorurteile gehorcht der oder die Hörende einer inneren Stimme, einem im Grunde «sicheren» Gefühl, einer Intuition, die in eine ganz bestimmte Richtung weisen – und begegnet unterwegs immer wieder neuen Impulsen, die auf eine Verwirklichung der «er-innerten» Werte oder Ziele hinwirken. Thomas Klug, Geschäftsführer der Keimfarben AG, hat im Rahmen des von COVISS veranstalteten Betonseminars im KKL Luzern von einer solchen Haltung der Offenheit gesprochen, die das Wesentliche erfasst, zulässt und deshalb so manches ermöglicht – vor allem auch im gestalterischen Umgang mit Beton.

«Pablo Picasso, Schöpfer grosser Meisterwerke, sagte einmal: «Ich suche nicht – ich finde.» Ein wunderbares Plädoyer für Offenheit. Offenheit bereichert, macht aber auch verletzlich. Aus ihr können ebenso Begeisterung wie Enttäuschung erwachsen, weswegen sich manche Menschen, je nach persönlicher Erfahrung, mit Offenheit schwer tun.

Beton ist ein Baustoff, der es wert ist, mit aller Offenheit betrachtet zu werden. Für die einen grau, kalt und hart, ist Beton für die anderen der Baustoff schlechthin. Aber suchen wir an dieser Stelle nicht nach Argumenten, die für oder gegen dieses Material sprechen, sondern schauen wir zunächst einfach, was uns darin begegnet: Zunächst einmal Sand, Kies, Zement, Stahl, Wasser und Luft. Aber im Beton tritt uns mehr als nur ein Material entgegen: ein «dienstbarer Geist», ohne dessen Hilfe fast alle heutigen Zivilisationen im wörtlichen Sinne in sich zusammenbrechen müssten. Zaubern kann dieser Geist freilich nicht, aber er lässt sich in mannigfaltigste Formen giessen – ob in Bunkeranlagen, Abschussrampen Trennmauern, Staumauern, Wohnbauten, Schulhäusern, Kirchen oder Spitälern, liegt allein am Menschen – seinem Gebieter.

Mit Beton Emotionen umsetzen
Architektinnen und Architekten wie auch Ingenieure wissen um die Dienstbarkeit dieses Materials und machen sie ihren Mitmenschen zu Nutze. Doch während sich die rationelle Ingenieurskunst eher auf die funktionellen Möglichkeiten des Betons konzentriert, versucht die Architektur damit auch Emotionen umzusetzen, sich der Ästhetik des Baustoffes anzunehmen und diese zu kultivieren. Bisweilen gewinnt man den Eindruck, darin manifestiere sich eine Art Respektsbezeugung oder Dankbarkeit gegenüber diesem Material. So bleiben die meisten Architekten nicht bei der Funktionalität der Form stehen, sondern gehen einen Schritt weiter und gestalten das Erscheinungsbild des Betons mit Struktur und Farbe, mal sehr bewusst, mal eher intuitiv.

Ponstan für den gesunden Beton
Wem es in den letzten dreissig Jahren beschieden war, hierzulande Militärdienst zu leisten, wird im Laufe seiner Dienstzeit manche Kameraden erlebt haben, die das Krankenzimmer aufsuchen mussten. Erstaunlich schnell kehrten die meisten Kranken, Versehrten oder Unpässlichen wieder zurück, mit ganz unterschiedlichen Diagnosen zwar, aber fast alle mit dem einen Medikament: Ponstan. Ob Umlauf, Grippe, Migräne oder Zahnschmerzen, für den Soldaten schien es nur dieses eine Medikament zu geben (der Wirkstoff ist inzwischen auch als Generikum erhältlich). Und das Zeug wirkte: Die meisten Mannen wurden «zum Wohle des Vaterlandes» schnell wieder einsatzfähig.

Beim Beton ist Vergleichbares zu beobachten: Wenn Beton saniert, behandelt oder «lediglich» gestaltet werden soll, scheint es meist nur ein Allheilmittel zu geben: Ingenieure, Farblieferanten und Handwerker verordnen dem Beton einen CO2-Schutz in Form eines Film bildenden Anstriches, egal ob es sich nun um einen gesunden, gefährdeten oder kranken Beton handelt. Damit aber ein solcher CO2-Schutz wirksam sein kann, müssen sämt-liche Lunkern und Fehlstellen vorgängig zugespachtelt werden. Bei einem spezifischen Gefährdungs- oder Krankheitsbild ist es tatsächlich sinnvoll, den Beton vor CO2-Zutritt zu schützen, damit die Armierungseisen nicht in alkalineutrales Milieu geraten und korrodieren können. Man kennt das Krankheitsbild, man kennt die Therapie. Erstaunlich ist nur, dass diese Therapie auch in vielen Fällen Anwendung findet, wo kein CO2-Schutz gefragt wäre oder der Beton gar gesund ist. So verschwinden immer wieder Betonflächen unnötigerweise unter solchen Beschichtungspaketen. Architekten blutet oft das Herz dabei, würden sie doch den Beton lieber subtil gestalten und nicht einfach, meist leicht glänzend, zudecken lassen.

Differenzierte Gestaltungs-möglichkeiten
Eine differenzierte Diagnose würde differenzierte Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Beton kann verschieden geschalt, gestrahlt, gestockt, eingefärbt, getüncht, lasiert, gestrichen, geschlämmt, gespachtelt, hydrophobiert oder CO2-geschützt werden – jedes Mal eröffnet sich seinem Betrachter ein anders Bild, werden andere Emotionen geweckt. So wie es in der Sprache möglich ist, mit denselben Wörtern, demselben Satz sogar, allein durch unterschiedliche Betonung ganz Verschiedenes auszudrücken, so kann auch Beton, allein durch die Gestalt und Materialität seiner Oberfläche, den Betrachter ganz unterschiedlich ansprechen – und dies selbst bei nominal gleichen Farbtönen!

Gerade an der Betonoberfläche steht einer nach individuellem Ausdruck strebenden Architektur eine subtile Ausdrucksvielfalt zur Verfügung. Wer sich die Zeit nimmt, sich darauf einzulassen, sich davon ansprechen zu lassen und wer sich nicht gleich mit dem erstbesten Universalrezept zufrieden gibt, für den besteht Beton nicht mehr nur aus Sand, Kies, Zement, Stahl, Wasser und Luft, sondern auch aus Begeis-terung, die offen macht, immer wieder Neues zu finden und zu kreieren.» 
 
Ausgabe "2007/8 - Dezember" bestellen
 
Text Thomas Klug, Geschäftsführer
Bild Thomas Klug
 
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