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Welt der Farben aus dem Müll gezogen
Farbrausch sprengt Farbsysteme
 
Seit jeher befasst sich das Team des Haus der Farbe im Unterricht und in Publikationsprojekten mit Farbsystemen und Farbordnungen. Dabei wurde eine Tatsache immer wieder diskutiert: Von der Farbenkugel Runges über den Doppel-kegel von Wilhelm Ostwald bis zu den heute gebräuchlichen Farbsystemen ist eines allen gemeinsam – sie gehen von einem mehr oder weniger geschlossenen Farbkörper aus. Genau diese Grenzen wollte das Projekt Farbrausch des Haus der Farbe sprengen und aufzeigen, dass es in der Farbwelt kaum Beschränkungen gibt.

Am Anfang stand eine scheinbar einfache Idee: Für die Jahresausstellung «STOP 07» des Haus der Farbe soll in einer Raum-installation die Vielfalt der Welt der Farben sichtbar gemacht werden. Studentengruppen sammelten im Raum Zürich-Oerlikon Müll zusammen, dessen ausgewählte Farbigkeit Ausgangspunkt für das anschliessend genaue Nachmischen der Farbtöne mit Pinsel und Farbe war. Dabei machten die Studentinnen und Studenten eine Grenzen sprengende Entdeckungsreise.

Die Müllsammlung
In einem ersten Schritt suchten Studierende Strassenmüll, Zivilisationsspuren, achtlos Weggeworfenes und Verloren-gegangenes in unmittelbarer Umgebung des Haus der Farbe in Zürich-Oerlikon. Der eingesammelte Müll wurde sorgfältig ausgelegt und geordnet – aus Abfall wurde eine Sammlung. Zu einer Sammlung gehört eine Wertschätzung der einzelnen Objekte, zwischen denen innerhalb einer Sammlung vielfältige Bezüge entstehen. Gewöhnlicher Müll wird dadurch aussergewöhnlich.

Aus dieser ungewöhnlichen Sammlung wählte jeder Student und jede Studentin drei Objekte aufgrund eines interessant erscheinenden Farbklanges aus. In einem nächsten Schritt wurden die Farbtöne der ausgewählten Objekte nachgemischt.

Die Farbkollektion
Mit diesen drei ausgewählten «Urfarben» und zusätzlich Schwarz und Weiss wurde der unendlich vielfältige Farbraum individuell erforscht. Das anfänglich systema-tische Ausmischen der Farben wurde bald durchbrochen, und eine unerwartet grosse Menge unterschiedlichster Farbtöne entstand. Dabei zeigte sich, dass die Technik des Farbenmischens eine hohe Kunst darstellt, die nur mit viel Übung erlernt werden kann. Neben dem traditionellen Aufhellen eines Farbtons mit Weiss und dem Abdunkeln mit Schwarz bietet insbesondere die kömplementäre Ausmischung -einen unendlichen Fundus an Farbenreichtum. Dabei wird zum Beispiel ein Grün durch Zugabe von wenig Rot zu einem farbigen Graugrün. Hierbei entstehen diejenigen leben-digen Farbtöne, wie sie in keinem der Farbsysteme erschöpfend gezeigt werden können.

Die Farbkomposition
Auf diesem Weg mischten die Studierenden im Durchschnitt je über 300 (!) Farben. Daraus entstand eine Kollektion von mehr als 5500 farbigen Karten. Aus Anlass von «STOP 07» wurde mit diesem einmalig -reichen Farbfundus im Haus der Farbe eine räumliche Installation realisiert. Ohne auf eine systematische Harmonie oder auf vordefinierte Farbklänge zu achten, wurden die Farbkarten auf Wand-, Boden- und Tischflächen montiert. Keine geplante -Ordnung kam hier zum Tragen, und doch entstanden überraschend unterschiedliche Farbwelten. Beim verweilenden Betrachten entdeckten Besucherinnen und Besucher grellbunte oder eher ver-haltene Bereiche, helle und dunkle Zonen, kontrastreiche und zurückhaltende Klänge.

Der Farbentscheid im Bauprozess
Von besonderem Interesse waren für das Haus der Farbe die scheinbar «unmöglichen» Nachbarschaften: Gibt es Farben, die wirklich nicht zusammenpassen? Gibt es Hässliches oder Schwieriges? Innerhalb der Vielfalt dieses unkontrolliert explodierenden Farbsystems ist die Antwort auf diese Frage ganz klar nein. Farben sind unschuldig. Es gibt keine an sich häss-lichen Farben und auch keine an sich geschmacklosen Kombinationen. Erst die Auswahl für eine bestimmte Anwendung in einem bestimmten Kontext fordert präzise Farbentscheide. Auszuwählen heisst hier gleichzeitig auszuschliessen. Farbentscheide zu treffen ist besonders für die Anwendung im öffentlichen Raum eine verantwortungsvolle Aufgabe. Deshalb ist das Gespräch über Farbe, deren ästhe-tische Ausdruckskraft, kulturelle Bedeutung und optische Wirkung wichtig. Zentrale Voraussetzung hierzu ist die Sprache, das ausgewählte Vokabular. Wie spricht man über ein farbiges Grau, das in gängigen Farbfächern fehlt? Wie findet man trotzdem, was man sucht? Wie kann man sich einer gedachten und gewünschten Farbe annähern?

Die Dienstleistung Farbgestaltung
Farbgestalterinnen und Farbgestalter sind die geeigneten Fachleute, Planerinnen und Planer bei der Farbsuche zu unterstützen. Sie kennen die Sprache der Farben und können jeden erdenklichen Ton ermischen. Sie bewegen sich voller Neugierde im unendlichen Farbraum und sind nicht gefangen in Konventionen. Sie übersetzen die Vorstellungen von Bauherrschaften und Architekten in Farbklänge und sind in der Lage, die technisch einwandfreie Umsetzung des Farbkonzepts zu planen, zu koordinieren und zu begleiten. Farbgestalterinnen und Farbgestalter bringen damit ein Spezialwissen in den Bauprozess ein, das gerade heute, angesichts der technischen Neuerungen im Bereich von Farbmaterialien und Oberflächen und auch angesichts der Experimentierfreude der Architektinnen und Architekten, ein Projekt wertvoll ergänzt. 
 
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Text Stefanie Wettstein; COVISS
Bild Haus der Farbe
 
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